Sunday, 26 Jul 2009

How To Annoy Your Students

Eine Anleitung für Dozenten, Professoren und Übungsleiter.

  • Ob in der Klausur Hilfsmittel verwendet werden dürfen oder nicht, ist eine nicht völlig irrelevante Entscheidung, die Sie nicht ständig vor sich herschieben sollten. Scheuen Sie sich deshalb nicht davor, sie zu treffen, gern auch mehrfach und unterschiedlich.
  • Eine naheliegende Notation ist sehr hilfreich. Für Mathematikprüfungen empfiehlt sich insbesondere die folgende erklärende Einleitung: “Sei V ein Körper und sei K ein V-Vektorraum. Seien µ, Ï€, v  Elemente aus K und w, k aus V.”
  • Vergessen Sie nicht, in Übungsaufgaben ab und zu ein paar Werte und Zusammenhänge zu definieren, die für die Lösung überhaupt nicht benötigt werden.
  • Wenn Sie an die Tafel schreiben, verwenden Sie nach Möglichkeit die Variablen v, ν, u, n, m, w.
  • Schreiben Sie möglichst, ohne die Kreide abzusetzen. (Üben Sie mit dem Wort “Minimum”.)
  • Versuchen Sie, die Tafel beim Wischen mit einer möglichst gleichmäßigen Kreideschicht zu bedecken. Probieren Sie aus, ob es funktioniert, Finger als Anti-Kreide zu benutzen.
  • Fehler auf den Übungsblättern bringen Studenten zum Nachdenken und verbessern somit den Lerneffekt. Trauen Sie sich ruhig auch mal, mehrere Variablen mit demselben Buchstaben zu benennen.
  • … den Sie kurz zuvor erfunden haben.
  • Stellen Sie die Übungsblätter online? Hören Sie mitten im Semester damit auf und beginnen Sie, sie nur in der Vorlesung auszuteilen.
  • Gibt es ein Skript? Steht es online? Ändern Sie dies in der Woche vor der Klausur.
  • Falls an Ihrer Universität eine neue Studienordnung (z.B. Bachelor/Master) eingeführt wird, setzen Sie sich für die Verbesserung der Studienbedingungen ein und sorgen Sie dafür, dass auch Anzahl und Art von Pflichtvorlesungen geändert werden. Geben Sie die im laufenden Semester gültigen Änderungen höchstens vier Tage vor der Klausur bekannt.
  • Vermeiden Sie es unbedingt, dass ein Student an die Musterlösung eines Übungsblatts gerät, sie abschreibt und anschließend abgibt. Sollte dies doch geschehen, bestreiten Sie um jeden Preis, dass das die Musterlösung war. Die Bewertung des Tutors könnte ansonsten peinlich für Sie werden.

Diese Liste wird vielleicht fortgesetzt. Je nach Bedarf oder Wunsch. (Und obwohl an dieser Stelle eine naheliegende Frage auftreten könnte, wird sie an dieser Stelle nicht beantwortet.)


2 Responses to “How To Annoy Your Students”

  1. pascal Says:

    Da habe ich auch ein paar:

    * Ihre Studenten sollten die Bücher komplett lesen, statt zu googlen. Verwenden Sie daher niemals suchbare Bezeichnungen für Sätze, sondern denken sich in ihrer, Definition eine Bezeichung wie “µ-Relation” aus. Referenzieren Sie den Satz danach stehts als “Gamma-Folgerung”.

    * Die Latex-Symbolreferenz wird oft falsch verstanden. Der einzig erlaubte Operator ist “⊗”. Verwenden Sie ihn notfalls mit indizes.

    * Fettschrift, Unterstreichungen, Vektorpfeile, Tilden und Hüte dienen ausschließlich der Dekoration und sollten nur spärlich verwendet werden, für ein ansprechendes Schriftbild möglichst nicht mehrfach bei der gleichen Variable.

    * Da Sie in ihrem Script relativ konsequente Auszeichnungen verwenden, ist es nicht nötig, explizit anzugeben zu welcher Menge eine Variable tatsächlich gehört. Dies lässt sich eindeutig aus Schriftart oder Dekoration der Variable schließen. Sollten sich diese wiedersprechen, gilt stehts die Auszeichnung, welche am uninteressantesten Ort verwendet wurde. (Enthält eine Formel etwa ein Integral- oder ähnlich interessantes Zeichen, sind sämtliche Dekorationen wegzulassen.)

    * Ihre Studenten verwenden die gleiche Ordnerstruktur wie Sie. Daher wird es keine Probleme geben, wenn Sie sämtliche Übungszettel als “übung.pdf” zur Verfügung stellen.

    * Verschlüsseln Sie ihre veröffentlichten Dokumente, und behaupten in der Vorlesung, in den Übungen würden die Passworte mitgeteilt. Verraten Sie allerdings aus Sicherheitsgründen keinem HiWi das richtige Passwort.

    etc.

  2. stationsarzt Says:

    Für Dozenten der Experimentalphysik:

    * Eine Gleichheitsrelation kann auch nicht erwähnte Näherungen implizieren.

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