Sunday, 10 May 2009
Es gibt tatsächlich einen Zeitpunkt, an dem man unter Wasser keine Luft mehr hat. Aber der ist in dem Moment, in dem man verzweifelt nach Luft japsend zur Oberfläche zappelt, meist meilenweit entfernt. Weil man denkt, es würde einem die Luft ausgehen, folgt daraus, dass man viel früher wieder auftaucht als man eigentlich müsste. Man hat keine Luft, weil man meint, keine zu haben, noch bevor man wirklich keine mehr hat. Man taucht auf, weil man Angst davor hat, dass der Augenblick, an dem man wieder Sauerstoff braucht, eintreten könnte. Man beschleunigt diesen Augenblick aus Angst vor ihm. Selbst wenn man nur zentimeterweit unter Wasser ist und in jeder Sekunde mühelos wieder an die Wasseroberfläche gelangen könnte. Selbst dann. Man sichert sich ab.
Es gibt auch in der Wirklichkeit Schranken. Aber viele Schranken, in denen wir leben, setzen wir uns selbst.


May 31st, 2009 at 11:14 am
Dass man vor dem eigentlichen Engpass an Sauerstoff denkt, die Luft gehe aus, liegt nicht an der Psyche. Der Atmungsreflex stützt sich auf den CO2-Gehalt im Blut. Hat dieser eine gewisse Schwelle überschritten, will man atmen. Dies geschieht unabhängig vom O2-Gehalt, im Normalfall bevor die Luft ausgeht.
Von dieser Grundlage her ist aber die Überlegung absolut analog, einfach ist der Wille der Absicherung biologisch verankert und somit nicht “selbst gesetzt”.
Was ist die “Wirklichkeit”? Nicht auch, dass du Sauerstoff brauchst?
June 20th, 2009 at 4:28 pm
Wenn jemand Halluzinationen hat, wäre es dann nicht auch so, dass die Informationen, die über seine Wahrnehmung an ihn herantreten, tatsächlich über die Nervenbahnen übertragen werden und somit auch seine Einbildung real ist?
July 4th, 2009 at 12:11 pm
Ich wollte eigentlich ganz pragmatisch von einer realen, von unserer Wahrnehmung unabhängigen Welt ausgehen (Sonst schwimmen wir in unwiderlegbaren und somit jegliche Wissenschaft verunmöglichenden Weltbildern). Selbst dann entspricht es (für Mathematiker noch ein “vermutlich”. Genau beweisen kann man keinen realen Umstand) noch der Wirklichkeit, dass wir Sauerstoff brauchen (empirisch häufig belegt). Dieser Umstand ist genauso real wie die Notwendigkeit eines Beziehungsnetzes oder die Existenz einer Leistungsgrenze beim Sport.
Die Schranken müssen wir uns häufig nicht selbst setzen, die kommen von alleine, da es gegen unsere Grenzen hin immer schwieriger wird, voranzuschreiten (beispielsweise können wir nicht immer besser studieren, da wir am ende psychische Wracks sind und zusammenbrechen.).