Wednesday, 27 Aug 2008
Immer wieder sprechen (und schreiben) mich Leute darauf an, dass sie im Internet etwas von mir (ein Blog zum Beispiel) gefunden haben, oder etwas über mich gelesen haben. “Machst du dir denn keine Sorgen um deine Daten?”
In gewissen Fällen lässt es sich sowieso nicht vermeiden, im Internet aufzutauchen. Wer ein Ansprechpartner für eine Organisation ist oder an öffentlichen Projekten mitarbeitet, wird meistens auf der Internetpräsenz der jeweiligen Stelle namentlich erwähnt.
Natürlich gibt es ein gewisses Risiko, dass ein Arbeitgeber sich davon angegriffen fühlt, dass ich Teilchenbeschleuniger spannend finde, oder der Meinung ist, ich hätte eine zu große Nase, oder die USA und insbesondere Kalifornien für etwas grandios Unheimliches hält und damit nichts zu tun haben möchte. Dies kann aber genausogut auch bei einem Bewerbungsgespräch passieren.
Die Daten, die unter meinem Namen online auffindbar sind, sind weder verwerfliche Fotos von Alkoholexzessen noch Ausdrücke gesellschaftlich nicht anerkannter, radikaler politischer Auffassungen. Darunter ist nichts, was einen Arbeitgeber daran hindern sollte, mich einzustellen – und wenn es das tut, dann wird es nicht die richtige Stelle für mich gewesen sein. Das WWW und das reale Leben miteinander zu vernetzen mag eine Gefahr bedeuten, die falschen Informationen preiszugeben, es bietet aber auch eine Möglichkeit, sein Fleckchen im weltweiten Netzwerk als eine virtuelle, expandierte Visitenkarte zu nutzen.
Auch wenn sich mein Leben in Bezug auf Alkoholexzesse und radikale Politik selbst bei genauerem Hinsehen möglicherweise als erstaunlich langweilig entpuppen wird, sollten auch diejenigen, die das nicht von sich behaupten können, sich natürlich überlegen, ob sie auch solche Dinge öffentlich zur Schau stellen wollen. Als Faustregel könnte hierbei die Überlegung dienen, was wäre, wenn alle Leute, die sie kennen, plötzlich auf die Idee kommen würden Google auf ihren Namen hin auszuquetschen. Würde man irgendwas Auffindbares verschweigen wollen?
Das Internet ist kein Tagebuch und in vielen Fällen auch nicht hinreichend geschützt, um als Datenablage zu dienen. Aber das Internet ist ein in vielen Fällen ziemlich unterschätztes Publikationsmedium.
Im Internet auffindbar und erreichbar zu sein kann (und sollte) im Zeitalter von Open Source, Google, Blogs und Wikipedia eine bewusste Entscheidung sein.


August 27th, 2008 at 10:38 am
Neue Möglichkeiten bringen auch neue Gefahren.
In meinen Internet-Anfangszeiten habe ich mir relativ wenig Gedanken über “meine Daten” und ähnliches gemacht. Allerdings war ich nur mit einem Nickname unterwegs. Soviel wurde mir von meinen Eltern mitgegeben. Ja nie den echten Namen verwenden. Dann habe ich den Nick geändert und die einzig wirkliche Verbindung zwischen den Nicks wurde durch eine umfassende Löschaktion von Sony vernichtet. Heutzutage bin ich bei allen größeren Social Networks vertreten und wer nach mir googelt braucht Tage um alle Ergebnisse zu sichten. Für den Blog reicht schon der Vorname.
Der Blog ist für mich zu einer Visitenkarte geworden. Dort erfährt man mehr über mich (bei Gelegenheit sollte ich einen neue Über mich Seite schreiben) und vor allem kann man nachlesen, womit ich mich momentan beschäftige.
Ich versuche mich weg von einer reinen Image-Ethik, bei der man lediglich auf das Bild, das die anderen von einem haben achtet, hin zu einer Charakter-Ethik zu wandeln. Anstatt so zu tun als wäre ich etwas, das ich nicht bin, versuche ich zu werden, was ich sein will. Nur so finde ich auch Leute, die sich wirklich für mich und was ich kann interessieren und nicht für was ich vorgebe zu können.
Achja, um Alkoholbildchen und so ist es gegangen. Alkohol direkt gibt es nicht. Aber ein Faschingsbild, welches bereits für einige Leute ein Problem darstellen könnte. Stehe ich aber dazu. Es war Fasching und ich habe mich verkleidet. War sehr amüsant und das muss ich nicht verstecken.
Um zu einen Ende kommen, schreibe ich nur das gleiche, das du auch schon geschrieben hast.
Jeder sollte sich darüber bewusst sein, dass das Internet ein größtenteils öffentlicher Raum ist, der nicht einfach vergisst und sich dementsprechend verhalten.
August 27th, 2008 at 11:53 am
Aber bitte jetzt nicht daraus folgern, dass Leute vor den Gefahren für ihre Zukunft gewarnt werden sollten, wenn sie auf StudiVZ ihre neuesten Alkoholbilder einstellen. (Bösartig, wie meine Grundeinstellung nunmal ist, würde ich sie sogar noch mehr dazu ermutigen, gäbe es nicht bereits entsprechende Partyfoto-Seiten/-Gruppen, die das ganz wunderbar erledigen)
Denn wer alt genug ist, sich zu betrinken, dabei fotografieren zu lassen, das ins Internet zu stellen — und zu keinem Zeitpunkt festzustellen, dass das in einer Woche oder einem Jahr mal peinlich werden könnte — hat es einfach nicht anders verdient, arr.
September 20th, 2008 at 3:32 am
Luca: Deine zweite Herangehensweise empfiehlt sich eher als die erste. Es wird sich zwar kaum ein Chef in spe die Mühe machen, alle Ecken des Internets nach dir abzusuchen, aber sobald jemand deinen alten Nicknamen kennt, könnten kompromittierende Postings oder Fotos auftauchen. Und es ist kaum zu glauben, was sich mithilfe von Google und web.archive.org so alles rausfinden lässt.
An einem Faschingsbild wird sich kaum jemand stören. Im Allgemeinen wird sich an den meisten Sachen kaum jemand stören, aber wenn ich sehe, wie viele Fotos, Erzählungen, Videos und sonstige Informationen über sich so manche(r) Internet-Exhibitionist(in) (es sind erstaunlich viele davon weiblich) online stellt, wird mir unwohl zumute. Was werden Leute alles dafür tun, um eine “Internet celebrity” zu werden?
pascal: Ich glaube auch nicht, dass das Problem mit den Partyfotos ein so großes ist. Die Branche der Berufe, in denen Partys weder völlig belanglos sind, noch freudig begrüßt werden (weder von einem Programmiererjob noch von einer Stelle in einer Designagentur kann ich mir vorstellen, dass die Chefs sich so sehr an Partyfotos im StudiVZ stören, aus jeweils anderen Gründen), scheint mir nicht so besonders groß zu sein.
April 26th, 2010 at 4:43 pm
Hi!
Ich bin mal so frei und poste einfach mal einen Eintrag zu deinem Blog. Sieht echt spitze aus. Ich nutze jetzt auch seit ein paar Monaten Wordpress, habe aber eigentlich keine Ahnung, was ich alles einstellen muss. Nun, eine gute Webseite und gute Arbeit, weiter so ;)