Wednesday, 6 Aug 2008

Fulbright Summer School 2008

Es ist zwischen 19 und 20 Uhr und heute waren den ganzen Tag lang Wolken am Himmel, die uns daran gehindert haben, die Mittagspause dazu zu nutzen, in gleißend hellem Licht zu baden. Was für Deutschland alles andere als ungewöhnlich ist, geht hier in Kalifornien bereits als “schlechtes Wetter” durch. Es scheint so, als würden alle Regentage von hier ins Ruhrgebiet verfrachtet worden.

Heute ist bereits der sechste Tag der Summer School an der California State University East Bay, an der ich mich gerade befinde, und an die Sonne haben wir uns eigentlich bereits so sehr gewöhnt, dass sie uns heute sehr gefehlt hat. Es ist unglaublich, wie sehr sich die Serotoninproduktion auf Stimmung und Motivation auswirkt. Der Sommer wird ziemlich unterschätzt.

Chinatown, San Francisco

Aber nicht nur der Sommer. In Kalifornien ist im Vergleich zu Deutschland sehr vieles anders, ob nun besser, schlechter, einfacher oder schlicht und ergreifend unmöglich.

Die Menschen hier unterscheiden bei weitem nicht so sehr zwischen Privatsphäre und Beruf und sind in Alltagsdingen erstaunlich offen: Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes wurden wir nach dem Essen in einem chinesischen Restaurant in Hayward hinausgebeten, weil die Mitarbeiter es schließen wollten. Kaum waren wir aus der Tür getreten, lief uns die Frau, die gerade die Tür hinter sich abgeschlossen hatte, hinterher und fragte uns, wo wir wohnen und ob sie uns in ihrem Auto mitnehmen könnte.

CalState Campus

In jedem vollem Bus herrscht ein angeregtes Gemurmel, keine Spur von dem deutschen Bemühen, Distanz zu wahren und dem daraus resultierenden Versuch, angestrengt irgendwo hinzustarren, um ja nicht die Person gegenüber anschauen zu müssen. Jeder Fahrgast, der neu einsteigt, wird prompt in eine Unterhaltung verwickelt, völlig ungeachtet dessen, wie schlecht sein Englisch sein mag.

American Food (urgh!)

Dass auch hier nur mit Wasser gekocht wird, halte ich allerdings für ein Gerücht. Gekocht wird hier meistens nämlich überhaupt nicht. Es wird eher gebraten, tiefgefroren, mariniert und frittiert, deshalb ist das Essen sehr gewöhnungsbedürftig: In der College-Cafeteria gibt es zum Frühstück Obstbecher, Pancakes, die regionale “armer Ritter”-Version, Bratkartoffeln oder gebratenes Fleisch. Zum Mittag- und Abendessen stehen stets ein mensaähnliches Gericht (welches gebratenes Fleisch enthält), Hamburger und American Pizza zur Verfügung, zudem gibt es eine Salatbar. Montags bis Donnerstags gibt es sehr leckeres, aber leider entsprechend teures Sushi. Warmes Gemüse gibt es beinahe gar nicht, höchstens in Form von Mais als Beilage. Nudeln gibt es selten, Schwarzbrot oder (nicht süßes) Weißbrot gar nicht.

Mexican food

An das Fast Food kann man sich im Prinzip wirklich gewöhnen – einer der Teilnehmer hat in San Francisco im Fisherman’s Wharf einen exzellenten Burger vertilgt – allerdings braucht man mit Sicherheit ein wenig länger, um sich an das College Fast Food zu gewöhnen, und ich bezweifle sehr, dass die sechs Wochen dafür ausreichen werden. Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich das Campusessen als “schlechter” oder “unmöglich” einstufe, aber aufregend ist es in jedem Fall.

View at SF


4 Responses to “Fulbright Summer School 2008”

  1. heiko Says:

    Neid! :)

  2. Astrodan Says:

    Montags bis Donnerstags gibt es Mittwochs

    Jeden Mittwoch zwischen Montag und Donnerstag, oder nur einmal pro Woche?

  3. Alex Says:

    Zwischen Montag und Donnerstag. Du hast keine Ahnung wie müde ich war, als ich das geschrieben habe. ;)

  4. pascal Says:

    Das Adjektiv “aufregend” in Verbindung mit Nahrung zu verwenden muss ich mir merken. Das wirkt so altenglisch, “Well, Mrs Coleridge, I daresay the food tastes most - exciting, indeed! If you would excuse me, I seem to have an appointment at the bathroom.”

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