Saturday, 12 Jul 2008

Wusst ich’s doch!

In einer verzwickten Situation steckt derjenige, der im Nachhinein noch immer der Meinung ist, im Recht zu sein, während der andere derselben Meinung in Bezug auf sich selbst ist. Ganz besonders schlimm für das Gewissen wird es, wenn die aktuelle Situation ganz anders (und zwar zweifellos viel besser) aussehen würde, wenn dieses verflixte Gegenüber damals eingesehen hätte, dass ich Recht hatte.

Falls ihr (oder ein Mensch aus eurer näheren Umgebung) Gefahr lauft, in Wir-hätten-diese-Probleme-gar-nicht- wenn-damals-doch-…-Stimmung zu verfallen, schaut ein bisschen “Zurück in die Zukunft”. Besonders empfehlenswert ist hierbei Teil 2.
Es ist völlig unmöglich, aus einer Gegenwart in eine alternative Gegenwart zu springen, selbst wenn diese aus einem Zeitpunkt in der Vergangenheit heraus erreichbar gewesen wäre. Wenn man nicht an Multiversen glaubt, besteht auch keinerlei Verbindung zwischen den verschiedenen Gegenwartsszenarien. Mit anderen Worten: Ist eine Entscheidung erst getroffen, lässt sie sich nur nicht wieder rückgängig machen. Es lässt sich auch gar nicht bestimmen, was passiert wäre, wenn man sich anders entschieden hätte.

Wenige Überlegungen auf der Welt sind sinnloser als “Was wäre passiert, wenn…?” und wenige Kommentare weniger hilfreich als “Hab ich’s doch gewusst! Ihr hättet doch bloß auf mich hören müssen.” Wenn ihr euch schon kein Gehör verschafft habt, dann haltet wenigstens auch im Nachhinein den Mund.


2 Responses to “Wusst ich’s doch!”

  1. Corinna Says:

    Bin ganz deiner Meinung :) ! Nur den letzten Punkt mit dem “Hab ichs doch gewusst” möchte ich etwas beleuchten: Reiner psychologischer Effekt. Mit dieser Aussage erhöhst du deine Wahrscheinlichkeit bei den anderen mit mehr Autoriät in zukünftigen Entscheidungen anerkannt zu werden und damit deine Meinung durchgesetzt zu bekommen ;) .

  2. M. Says:

    Interessanter Gedanke, tief gedacht und doch nicht alles.
    Glücklicherweise hatte ich erst vor kurzem ein Gespräch über den quasi-experimentellen Gedankenaustausch von bereits vergangenen Entscheidungswegen, der mir das gleiche Probem schilderte.
    “Was wäre, wenn…”
    Du hast Recht, es gibt kein zurück und kein davor. Eine Entscheidung ist nun einmal “Urteil+Handlungskonsequenz” (Nigel Harvey) und (fast?) keine Physik lässt die Zeit rotieren.
    Aber warum nicht darüber sprechen, was denn hätte sein können? Ist nicht gerade der Gedanke interessant, Erlebtes zu gestalten und Gegenteiliges in Fantasiegestalt rückkehren zu lassen? Ist das nicht überhaupt ein Gedanke der Belletristik?
    Ich glaube Dir ja, dass ein mitleidiges, trutschiges Gerede über Verpasstes, keinen Geist fördert, jedoch die Idee eines Verstehens der Retrospektive unter der Mehrpespektivität - das wäre beinahe weise.

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