Saturday, 12 Jul 2008

Das Lichtgeschwindigkeitsexperiment

Noch nie habe ich die Leute verstanden, die mit einem Jetlag von 1-2 Stunden Probleme hatten. Die Bedeutung des Begriffs “morgens” schwankte bei mir zwischen Schulzeit und Ferien stets um rund 5-8 Stunden.

Wem das bekannt vorkommt, der kennt mit Sicherheit auch das Problem, sich nach einer Phase exzessiver Freiheit bezüglich der Schlafeinteilung wieder gesellschaftlich (also auch von Arbeitgebern und Supermärkten) akzeptierte Schlafensgewohnheiten anzueignen. Es scheint viel einfacher zu sein, länger wach zu bleiben als einige Stunden früher aufzustehen - von dem Gedanken, bedeutend früher ins Bett zu gehen, wenn man noch gar nicht müde ist, ganz zu schweigen.

Daher hatte ich nun die Idee, sofern meine innere Uhr mal wieder abdriftet, bei der nächsten Gelegenheit meinen Tag einfach zu verlängern. Einen regelmäßigen Schlaf-Wachsein-Zyklus von (24+x) Stunden würde ich sicher einhalten können (um tägliche Müdigkeit zu garantieren, muss x eben groß genug sein) und wenn ich bei einer einigermaßen akzeptablen Aufstehzeit angelangt bin, kann ich den Tag ja wieder komprimieren.

Die Vorteile eines solchen Verfahrens sind hauptsächlich:

  • Man kann innerhalb einer Woche wieder vor 3 Uhr nachts schlafen.
  • Es ist die - wenn man nicht darüber nachdenkt, in entfernte Gegenden auszuwandern und nie zurückzukehren - absolut einzige Methode, sein Leben um eine Nacht zu verkürzen.

Aus gegebenem Anlass habe ich heute kurzfristig beschlossen, damit zu beginnen. x beträgt 3 Stunden und der Plan für die nächste Woche sieht folgendermaßen aus:

Tag Aufstehen Schlafengehen
Donnerstag 03:00
Freitag 13:00 06:00
Samstag 16:00 09:00
Sonntag 19:00 12:00
Montag 22:00 15:00
Dienstag 1:00 18:00
Mittwoch 4:00 21:00
Donnerstag 7:00 24:00
Freitag 10:00

Im Moment ist es 4:52 und ich bin erstaunlicherweise tatsächlich etwas müde.

Ziemlich unterhaltsam wird der Versuch aber eigentlich erst, wenn man Anwendungsbeispiele für ihn findet. Hierzu siehe den gestrigen xkcd-Comic:

(Quelle: xkcd)

Somit reist man also mit einer Schlafenszeitverschiebung um 3h/Tag um die Welt. Da man innerhalb von 8 Tagen die Erdkugel umrundet, legt man pro Tag eine Strecke von rund 5000 km zurück.

Da die Dauer meines “Tages” für jeden Beobachter, der sich außerhalb des Schlafexperimentes befindet, mehr als 24h beträgt, kann man das Experiment als eine Bewegung zweier Systeme relativ zueinander betrachten. Der Experimentierende, der sich im Inneren eines bewegten Systems befindet, wird hierbei bei hinreichend großen Geschwindigkeiten Zeitspannen als kürzer empfinden als alle anderen, die sich nicht bewegen. Um eine Zeitdilatation um den Faktor 9/8 zu erreichen, ist nach der Relativitätstheorie eine Bewegungsgeschwindigkeit von rund 0,46c nötig.

Im Moment rase ich also mit einer Geschwindigkeit von rund 137900000 m/s von Peru nach Alaska - und blogge dabei auch noch. Da ist es doch verzeihlich, müde zu werden. ;)


5 Responses to “Das Lichtgeschwindigkeitsexperiment”

  1. Lucas Says:

    Ein weiteres passendes xkcd-Comic ist http://xkcd.com/320/.

    Grüße,
    Lucas

  2. Alex Says:

    Verdammt, du hast recht. Das, was das Patentamt für Erfinder ist, sollte xkcd für Blogger sein ;).

  3. pascal Says:

    problematisch wird es allerdings, wenn man keine woche zur anpassung zeit hat, sondern lediglich eine Umdrehung. Da steht man um 19:30 auf, und hat um 8:15 einen Termin. Um 6:45 stellt sich dann immer die unmöglich zu beantwortende Frage: “Bis zum Termin wachbleiben und womöglich noch darüber hinaus” oder “Kurzschlaf versuchen”. Erstere Option bringt die Gefahr, dass der Tag vielleicht 36 Stunden lang wird, letztere, dass man mitten in der REM-Phase aufstehen müsste.
    Dazu kommt erschwerend, dass Wecker deutlich zu einfach zu bedienen sind, sofern mich mein Unterbewusstsein nicht davon abhält (weil der Termin *wirklich* wichtig ist) kann ich mein Handy mittlerweile ohne nennenswert aufzuwachen 8h weiterstellen :)
    Und nein, vorausschauende Planung ist keine Option.

  4. Alex Says:

    Die Woche ist rum, wie ist das Experiment gelaufen?

    Übrigens hast du es auch mit einer enormen Längenkontraktion zu tun, wenn du dich mit 137900000 m/s bewegst und am Tag doch nur 5000km schaffst!

  5. Alex Says:

    In der Nähe von Zyryanka musste ich leider auf einen Alternativplan umsteigen, weil ich einen wichtigen Termin hatte, der in meiner Tiefschlafphase lag, und war danach nicht mehr konsequent genug. Fazit: Keine Nacht verloren, Schlafrhythmus dafür noch geschädigter als vorher. Lohnenswert.

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