Wednesday, 18 Jun 2008
Wir benutzen Make-up. Wir schauen Fußball. Wir trinken. Wir hören Musik. Wir rauchen. Wir lassen Bewerbungsfotos von uns anfertigen. Wir haben einen Doktortitel. Wir sammeln Ressourcen, um sie zu verschwenden. Wir führen Krieg, ermorden Menschen, um die Illusionen eines Volkes durch unsere eigenen zu ersetzen. Wir werden krank und uns bewusst, wie unzulänglich unsere Körper sind. Wir investieren, suggerieren, optimieren. Wir sind die Elite – wir können uns sicher sein, dass andere noch schlechter dran sind. Wir erzählen Märchen, die das Gewissen beruhigen. Märchen, die Bedeutung vortäuschen. Verlieren uns in Tönen, Bildern, Worten, Bräuchen, Illusionen.
In der übrigen Zeit haben wir Angst.


June 19th, 2008 at 7:23 pm
grüß dich.
also eigentlich habe ich nur einmal im internet nach der beantwortung eine meiner vielen fragen gesucht und bin allerdings auf deinem “blog” gelandet.
zu “how to build the cave” möchte ich dich ersteinmal was fragen :)
und zwar: warum auf englisch? du hast eine so gute wortwahl, dass du dies doch auch in deiner muttersprache hättest schreiben können? =)
nun, ich finde den text einfach nur enorm, ich habe monatelang nach leuten gesucht die zumindest ein wenig meine gedanken/meinungen teilen oder teilen könnten. leider sind mir (bis heute) nur hirnverbrannte schwachmaten untergekommen sodass ich die hoffnung schon beinahe aufgegeben hätte. und nun dies. der text beschreibt was man sagen/tuen muss um klar denken zu können. ich bin froh und zwar wirklich sehr froh endlich eine niederschrift eines “weiterdenkers” oder auch “mehrdenkers” gefunden zu haben!
Nur noch eine sache:
,, Wir führen Krieg, ermorden Menschen, um die Illusionen eines Volkes durch unsere eigenen zu ersetzen.”
- bist du dir da sicher? ist es nicht letztendlich die macht der größeren, denen wir unser denken anvertrauen?
und dazu:
,,Wir haben einen Doktortitel”-
möchte ich auch noch kurz etwas sagen =)
also ich habe da vor nicht allzulanger zeit sehr lange und sehr intensiv drüber nachgedacht. warum gibt es eigentlich Dr./Prof./etc-Titel? Ich kam einzig und alleine zu dem Ergebnis, dass man damit versucht uns, den leuten, die noch oder keinen derartigen Titel haben, zu zeigen, wie dumm wir doch sind. mehr nicht. schön und gut- Dr./Prof. etc und co. verdienen meist mehr geld als “normalsterbliche” und haben sich sicherlich auch intensiver mit dem ihrem spezifischem thema befasst, aber sonst? wir -müssen- sowas wie sie haben, weil ansonsten unser ganzes System den Bach runtergeht…
Und wir haben Angst.
Wenn wir keine Angst vor dem “Hier & Jetzt” haben, so haben wir Angst vor der Zukunft oder der Vergangenheit…
Ich bitte dich, meine Kommentare weder als Kritik noch als Verbesserungsvorschläge zu sehen, mehr als ein vielleicht noch verborgener zusätzlicher Gedankenstrang.
“Was kümmerts den Mond, wenn der Hund ihn anbellt?”
Liebe Grüße
Nuhdel, ja mit H!
June 19th, 2008 at 8:36 pm
Auch ich möchte dieses Werk kurz kommentieren. Denn für mich stellt sich die Frage, wer an diesem Prinzip schuld ist, und ich denke es lässt sich auf diejenigen zurückführen die nach dem Prinzip leben. Die Gesellschaft selber.
Denn sie macht aus Tieren Menschen. Für was würden wir uns halten, wenn immer neue wissenschaftliche Experimente nicht zeigen würden, dass wir die Spitze der Entwicklung sind. Was würde passieren?
Wir würden das alles nicht machen, weil wir es nicht für nötig ansehen würden. Warum schauen wir Fussball, hören Musik, versuchen alles zu optimieren und in Regeln zu fassen?
Weil wir es können. Im Grunde ist der Mensch auch noch ein Tier, das in der Gesellschaft aber auch in der Natur zeigen will, dass man der/die Stärkste ist. Man will herausragen. Es ist nämlcih nicht egal ob man der/die Schönste ist, ob man Fussballweltmeister ist, ob man cool ist etc.
Auch auf den zweiten Abschnitt lässt sich diese Hypothese anwenden, denn wer wohnt schon gerne in einem Land, dass nur für sich lebt? Wir streben auch hier nach Annerkennung in der Internationalen Gemeinschaft, so dass man sagen kann “Ich bin Deutscher/Amerikaner/Pole…”. Ich denke nicht, dass das Ziel ist die Illusion weiter zu geben, (mit der Ausnahem der demokratisierer Amerika) sondern eben die Illusion des Besten Landes auf die anderen Auszubreiten.
Die Ressourcenausbeuten lässt sich auf einen höheren Luxuswert zurückführen, welcher als Folge von Repressentationssucht zu sehen ist.
Aber egal wie es ist, wir versuchen Gott zu spielen, die Welt nachzubauen, zu erklären, zu verstehen, zu beherrschen, sie zu besitzen.
Wo ich dir absolut Recht geben muss ist der letzte Punkt. Wir haben Angst!
June 21st, 2008 at 11:56 pm
Ja, die Angst.
Haben diejenigen, die zweifeln.
Die zweifeln können.
Können.
Können haben = zweifeln?
Zweifeln können = Können?
Ich glaube nicht, daß wir in der “übrigen” Zeit Angst haben, sondern daß die Angst dies o.g. Handeln verursacht. Die Möglichkeit, in der Zeit, so es sie gibt, nach vorne zu projizieren und zu ergründen, daß wir es nicht wuppen können, weder reell noch intellektuell, ne?
June 29th, 2008 at 2:10 am
Nuhdel: Wenn ich in meiner Muttersprache schreiben würde, würde ich sicher ein paar Leser verlieren ;). Ich mag Englisch, und im Deutschen haben Anleitungen nie diesen charakteristisch-pragmatischen “How to”-Charakter, weil “How to” unübersetzbar ist.
,, Wir führen Krieg, ermorden Menschen, um die Illusionen eines Volkes durch unsere eigenen zu ersetzen.” – Was ist Macht letztlich anderes als eine Illusion? Ich glaube nicht, dass den Eroberten der Machtbegriff der Eroberer stets bekannt war.
Erik: Wir haben in der übrigen Zeit Angst, weil wir in der nicht übrigen Zeit beschäftigt sind – natürlich aus derselben Angst heraus, aber eben beschäftigt.
July 9th, 2008 at 3:02 pm
“Ich glaube nicht, dass den Eroberten der Machtbegriff der Eroberer stets bekannt war.”
Um dies zu widerlegen will ich eine kurze Argumentationskette aufbauen.
Macht ist keine Illusion, sondern greifbar. Denn immer hat sich der Mensch jemanden ernannt der über einem Stand und mehr durfte als alle anderen. Philosophen definierten dies sogar als Naturrecht (siehe Rosseau, Montesquie). Vom Anfang der Menschheit gab es einen Hordenführer, und das in allen Kulturen. Das einzige was wirklich anders war, war die Definition von Macht… doch die Eroberer haben diese schnell weitergegeben, haben die Eroberten für sie schuften lassen. So haben diese schnell mitbekommen, dass es auch hierbei um Macht. Macht war mal Illusion, nämlich als sie Gott gebunden war. Aber heute ist Macht ein Name, Geld, ein Talent… und damit fassbar.
July 10th, 2008 at 12:29 am
Die Idee der Macht als solche gibt es, na klar. Aber Ausdrucksformen der Macht sind, sobald sie aus ihrem gesellschaftlichen Kontext extrahiert werden, möglicherweise Illusionen. Unsere heutige Definition von Macht (Name, Geld) entspricht nicht unbedingt dem Wesentlichen, das Macht ausmacht. “Talent für Macht” schwankt somit auch von Gesellschaft zu Gesellschaft (allein schon die ganzen Western-Filme, in denen ein Mensch aus der Zivilisation in einen Ureinwohnerstamm gerät, in dem er als Gott verehrt wird - zweifelsohne auch eine Art Machtgewinn, resultierend aus einer Veränderung der Außenbedingungen). Deshalb das Beispiel mit den Eroberten und Eroberern, ausgehend von der Annahme, dass sie aus verschiedenen Kulturen stammen.