Bloggertreffen

Posted on Sunday 29 June 2008

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass man sich nicht auf Veranstaltungen, die man zu besuchen plant, freuen darf. Wenn man hohe Erwartungen an eine Party hat, wird man meistens enttäuscht.

Da war meine Keine-Lust-Stimmung vom Nachmittag eigentlich ziemlich passend, denn das heutige Bloggertreffen in Düsseldorf war erstaunlich nett. Bilder gibt’s vermutlich auch bald drüben bei der Chikatze, die hat mit ihrer Kamera bestimmt ein paar richtig tolle geschossen. Auch wenn die Tatsache, dass es zwei verschiedene Bloggerszenen in Düsseldorf zu geben scheint, doch ein wenig seltsam ist. Elitedenken in der Blogosphäre? Hochnäsige Alphabetsanfangsbuchstaben-Blogger? Wir gegen die?

Alex @ 2:03 am
Filed under: Leben and Zwischennetz
How to build the cave

Posted on Wednesday 18 June 2008

Wir benutzen Make-up. Wir schauen Fußball. Wir trinken. Wir hören Musik. Wir rauchen. Wir lassen Bewerbungsfotos von uns anfertigen. Wir haben einen Doktortitel. Wir sammeln Ressourcen, um sie zu verschwenden. Wir führen Krieg, ermorden Menschen, um die Illusionen eines Volkes durch unsere eigenen zu ersetzen. Wir werden krank und uns bewusst, wie unzulänglich unsere Körper sind. Wir investieren, suggerieren, optimieren. Wir sind die Elite – wir können uns sicher sein, dass andere noch schlechter dran sind. Wir erzählen Märchen, die das Gewissen beruhigen. Märchen, die Bedeutung vortäuschen. Verlieren uns in Tönen, Bildern, Worten, Bräuchen, Illusionen.

In der übrigen Zeit haben wir Angst.

Alex @ 2:23 am
Filed under: Alltagswahn and Illusion and Menschen
Nebel

Posted on Monday 9 June 2008

Wir mögen wissen, wo wir ankommen wollen. Wir können uns noch so sicher sein, was das Ziel ist – oft sehen wir dennoch nicht, in welcher Richtung es sich befindet. Eine Irrfahrt zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten. Es bleibt ungewiss, ob wir das Richtige tun, ungewiss, ob es anders nicht besser gewesen wäre und ob es jemals anders sein wird. Ein Dahintreiben mit vernebeltem Blick, hinein in übereilte und überdachte Entscheidungen und Ereignisse, begleitet von der nicht erfüllbaren Sehnsucht, endlich anzukommen - es sei denn, wir wollten es wirklich, und dann wären wir doch längst da.

Alex @ 2:08 am
Filed under: Alltagswahn and Gegenwart
Kopfnoten

Posted on Sunday 1 June 2008

Einer der unheimlich innovativen Beschlüsse der NRW-Bildungspolitik lautete: Schüler sollen fortan wieder Kopfnoten bekommen, in denen ihr Arbeits- und Sozialverhalten beurteilt wird. In den Bereichen “Leistungsbereitschaft”, “Selbstständigkeit”, “Kooperationsverhalten”, “Verantwortungsbereitschaft”, “Zuverlässigkeit und Sorgfalt” und “Konfliktverhalten” erhalten die Schüler die Prädikate “sehr gut”, “gut”, “befriedigend” oder “ausreichend”. Im Stil der Stiftung Warentest werden Schüler nach unbekannten Kriterien pauschal kategorisiert.

Manch einer mag auf den ersten Blick sagen: “Wieso denn überhaupt der ganze Trubel? Die Kopfnoten sind ein prima Konzept, durch das Schüler, die sich im Unterricht nicht angemessen verhalten, endlich bestraft werden.”

Also – woher dann die Aufregung?

  • Kopfnoten sind subjektiv.
    Welches Verhalten wünschenswert und welches unzumutbar ist, bleibt der subjektiven Entscheidung des Lehrers überlassen: Wer auffällt, fällt durch. Langfristig gesehen führt dies zur Angleichung der Schüler an ein standardisiertes Idealschema. Wo Individualität negativ bewertet wird, da ist Eliteförderung natürlich einfach.
  • Kopfnoten sind ungerecht.
    Leistung kann nicht objektiv quantitativ bewertet werden, da sie auch in ihrer Qualität von Schüler zu Schüler stark schwankt. Sollte jemand, der sich im Schulsanitätsdienst engagiert, im Chor mitsingt und für alle da ist, allerdings öfter mal zu spät in der Schule auftaucht, tatsächlich benachteiligt sein gegenüber einem typischen Musterschüler, welcher all das – aber auch ausschließlich das – macht, was von den Lehrern erwartet wird?
  • Kopfnoten sind nicht aussagekräftig.
    Da jede Schule selbst entscheiden kann, ob “befriedigend”, “gut” oder “sehr gut” als Standardnote festgesetzt wird, von der ausgehend alle Abweichungen in die Bewertung mit einbezogen werden, sagt ein Vergleich der Kopfnoten zweier Schüler unterschiedlicher Schulen noch nichts über das Verhältnis der tatsächlichen Kompetenzen der beiden zueinander aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass in dem Kampf um Ausbildungsplätze oder Praktika alle Bewerber von der gleichen Schule stammen, ist vernachlässigbar gering und da der Arbeitgeber bei ansonsten gleicher Qualifikation dem Bewerber mit den besseren Noten den Vorzug gibt, ist derjenige, dessen Schule gerecht zu bewerten sucht, im Nachteil gegenüber demjenigen, dessen Schule in der Regel allen Schülern “sehr gut” vergibt.
  • Kopfnoten in den höheren Klassen sind überflüssig.
    Zumindest in der Oberstufe bestehen alle Noten zu 50% aus den Noten der “Sonstigen Mitarbeit”, die eine Bewertung des Verhaltens der Schüler im Unterricht darstellen. Jemand, der partout nicht teamfähig ist, keine Hausaufgaben macht und ständig zu spät kommt, findet dies bereits in seinen regulären Noten wieder. Mal ganz abgesehen davon fällt ein solcher Schüler in einem guten Einstellungstest ohnehin durch.
  • Kopfnoten sind bürokratisch.
    Unter einer schlechten Klassenarbeit findet sich stets eine kurze Begründung der Note. Zudem besteht für jeden Schüler die Möglichkeit, mit seinem Fachlehrer über die Bewertung zu sprechen.
    Kopfnoten bieten keine derartige Gelegenheit: Der Schüler erhält eine Note, hat aber keinen Ansprechpartner, an den er sich wenden kann, da die Entscheidung über die Note eine Mehrheitsentscheidung der Konferenz war, deren Ergebnisse geheim bleiben müssen. Die einzige Möglichkeit, wie man auf eine ungerechte Kopfnote reagieren kann, ist ein offizieller Beschwerdebrief. Bei tatsächlichen Problemen gibt es keine Möglichkeit, Hinweise zur Besserung zu erhalten.

Ich wundere mich sehr darüber, dass trotz so großen Widerstands der Schüler und ihrer Eltern und Lehrer und verzweifelten Ausrufen von Wissenschaftlern ein derart umstrittenes Konzept durchgesetzt werden kann. Wieder einmal ein Hinweis darauf, dass das mit der Demokratie noch nicht so richtig funktioniert in Deutschland.

admin @ 6:31 pm
Filed under: Alltagswahn and Gegenwart and Menschen and Schule
Abiturkoeffizient

Posted on Sunday 1 June 2008

Gestern fand in ganz NRW die Bekanntgabe der Abiturnoten und damit des vorläufigen Abiturschnitts statt. Um mich herum dreht sich alles nur noch um zwei Ziffern – die vor und die nach dem Komma.
“Wie viele Punkte brauche ich bis zur nächsten Notengrenze? Muss ich in eine Abweichungsprüfung? Wenn ich mich freiwillig prüfen lasse, kann ich mich dann um null komma eine Note verbessern?”

Aus physikalischer Sicht eignet sich der Abiturschnitt allerdings gar nicht zur Bestimmung der Leistung der Abiturienten.

Wieso?

Die Vorgaben für das Zentralabitur kann man sich im Internet herunterladen. Die Liste beinhaltet alle Themen, über die man für die zentralen Prüfungen bescheid wissen muss. Der Abiturschnitt trifft eine Aussage über die Gesamtpunktzahl des Schülers, also letztlich über den Anteil seines Wissens am Gesamtinformationsgehalt.
Da die Themen von vornherein eingegrenzt sind, muss ein Schüler theoretisch nicht zwei Jahre lang für sein Abitur lernen; er kann den Stoff auch in dem ersten halben Jahr durchnehmen oder alles in der Unterrichtszeit lernen, sodass er seine Freizeit keinen Gedanken mehr ans Abi verschwenden muss. Die volle Punktzahl im Abitur erhält man, wenn man den ganzen vorgegebenen Stoff gelernt hat, d.h. die vom Bildungsministerium festgelegte Menge an Arbeit verrichtet hat.

Leistung ist aber Arbeit pro Zeit. Also muss man bei der Berechnung die Anzahl der Stunden mit einbeziehen, die der Schüler in der Schule oder zuhause für das Lernen benötigt hat: Je mehr Zeit jemand pro Abiturpunkt investiert hat, desto weniger hat er in dieser Zeit geleistet.

Der Leistungskoeffizient eines Abiturienten lautet demnach:

Durchschnitt = Punktanzahl / Zeitaufwand

Wenn man davon ausgeht, dass ein Schüler seine Fehlstunden nicht mit dem gleichen Zeitaufwand zuhause kompensiert, folgt daraus: Wer weniger da ist, leistet mehr!

admin @ 2:55 am
Filed under: Sonstiges