Thursday, 29 May 2008

tiefgedacht 2.0

Tiefgedacht ist beinahe zwei Jahre alt. Einerseits bedeutet das, dass ich schon irgendwie daran hänge. Andererseits hat die Qualität der Beiträge mit der Zeit sehr stark geschwankt, da ich es selbst nicht geschafft habe, mich an das zu halten, was ich von einem Weblog erwarte.

Ein gutes Weblog ist kein Online-Tagebuch. Es ist eine elektronische Zeitschrift, deren Sinn und Zweck es ist, an die Öffentlichkeit zu dringen. Das Internet ist viel zu vollgestopft mit persönlichen Problemen anderer Leute, die für die Menschheit mit Ausnahme eines eingeschränkten Personenkreises absolut irrelevant sind. Schreiben ist Arbeit und das, was in einem Anflug von [hier bitte beliebige intensive Emotion einsetzen] enthusiastisch runtergeschrieben wird, ist – textlich gesehen – leider meist wertlos und unbrauchbar.

Ich kann nicht reinen Gewissens den ganzen Mir-geht-es-nicht-gut-deshalb-schreibe-ich-unverständliche-
rätselhafte-Beiträge-um-der-Welt-mitzuteilen-
wie-hoch-mein-IQ-ist-Müll online behalten – am Ende wird der noch gelesen. Wenn ich Probleme mit einem Menschen habe, dann treffe ich mich mit ihm, vielleicht rufe ich ihn an, oder ich schreibe ihm einen Brief. Schlimmstenfalls wird es eben eine E-Mail oder eine Chat-Unterhaltung. Aber auf gar keinen Fall ein Blogeintrag. Ein Blog ist ein Veröffentlichungsmedium, und mittlerweile ist genug Zeit vergangen, als dass ich rückblickend beurteilen kann, welche Postings aus aktuell emotionaler Not entstanden sind und welche tatsächlich auch heute noch lesenswert zu sein scheinen. Manchmal lese ich etwas, was ich vor langer Zeit geschrieben habe, und denke mir: „Mann, das ist ja verdammt gut.“

In diesem Sinne: Auf ein neues!
Ich werde versuchen, Dinge zu produzieren, die so ähnlich sind wie das, was ich aus der Zeit vor der Blogpause lesenswert finde.

Wenn ihr Bugs findet, dürft ihr mich gern per Kommentar oder per Mail darauf aufmerksam machen.


11 Responses to “tiefgedacht 2.0”

  1. C Says:

    Auf der anderen Seite sind Weblogs gerade deswegen erfolgreich, weil sich viele für den trivialen Alltag von anderen interessieren, oder generell für trivialen Unsinn. Man denke nur an Livejournal oder an Lolcats.
    Ferner sind die weniger gebildeten, intelligenten oder anspruchsvollen Schreiber/Leser nun mal nicht weniger mündig als die Creme de la Creme der Blogosphäre. Was gut ankommt, ist gut - auch wenn’s scheiße ist.
    Das eine Medium unbedingt so oder so zu sein hat, halte ich für zu eng gefasst, denn es kommt ja nicht nur auf den Sender sondern auch auf den Empfänger an. Wird keiner gezwungen, Bild zu lesen.

    Dann wiederum hab ich auch oft Bedenken, dass ich dummes Zeug schreibe - und ich lese auch lieber intelligente, kreative Einträge. Von daher finde ich deinen Qualitätsanspruch durchaus gut.

  2. siggi Says:

    Tja, das ist halt der Unterschied zwischen Kalkül und Kultur. Kultur ist unberechenbar, irrelevant und mitunter nur süss. Kalkül sucht die Sicherheit der genauen Definition weil die Wunde der selbstreflektiven Relevanz gefüttert werden muss…. Wennste genau weisst was ein Weblog ist, biste schon von gestern, noch vor dem 2. Anfang. ;-)

  3. Luca Hammer Says:

    Freut mich, dass du wieder da bist.

    Auch persönliche Dinge können Qualität haben und angeblich für die Gesellschaft wichtige Gedanken vollkommen daneben herübergebracht werden.

    Ich lese gerne ein paar persönliche Blogs, aber auch sogenannte Qualitätsblogs aus, die leider viel zu selten sind.

    Es ist wichtig, dass man schaut, eine gewisses Niveau zu halten, aber bitte nie die persönliche Seite vergessen. Sonst kann ich mir auch komprimiertes Wissen in einem Magazin oder Buch holen.

  4. Alex Says:

    @C

    Was gut ankommt, ist gut - auch wenn’s scheiße ist.

    Dem schließe ich mich voll und ganz an – und da das Zielpublikum dieses Weblogs Menschen sind, die ähnliche Interessen haben wie ich, ist es sinnvoll, dass ich meine persönliche Meinung als Kriterium dessen wähle, ob ein Eintrag lesenswert ist oder nicht und dementsprechend gut ankommen wird oder eher nicht. Wäre ich z.B. ein Erwachsener, der für Kinder schreibt, oder jemand, der für fachfremde Leute über ein spezifisches Thema berichtet, wäre das natürlich eine suboptimale Herangehensweise.

    @Siggi
    Natürlich erhebe ich nicht den Anspruch, den Begriff “Weblog” genau zu definieren – allerdings kann ich mit Sicherheit ein paar Aussagen darüber treffen, was ein Weblog nicht ist. Zum Beispiel privat.

    @Luca Hammer
    Natürlich können auch persönliche Dinge Qualität haben. Ich glaube nicht, dass ich hier Gefahr laufe, kalt und objektiv und unpersönlich zu werden. Allerdings bleibt das Kriterium, dass das Thema oder der Inhalt oder wenigstens die Form für die Öffentlichkeit von Interesse sein sollte. Es herrscht ein pubertärer weit verbreiteter Irrglaube, dass das, was den Autor interessiert, auch das Leserpublikum interessiert. Mag in einigen Fällen zutreffen, aber gerade beim Privatleben sollte man da aufpassen.

  5. Alex Says:

    Erster Bug: Dinge als “admin” posten. Mach’ ich nie wieder, versprochen!

  6. martin Says:

    Toll das du wieder da bist. Und es war klar das du selbst bestimmst welcher Natur Dein Blog ist.
    Es gibt Leute die einen Blog nur deswegen aufsetzen um über privates zu schreiben und das ist auch völlig legitim. Die Technik erlaubt vieles, aber sie ist kein Selbstzweck sondern eher ein Werkzeug um damit zu arbeiten.

  7. Lucretia Says:

    Schön, Dich wieder zu lesen!
    Mag Dein Blogg sehr, auch wenn ich Dir in dem, was Du oben geschrieben hast, nicht ganz zustimme. Ich finde, es muß nicht immer um den Inhalt gehen, nicht um die Ratio und um Erkenntnis. Mir ist oft die Art wie es geschrieben ist wichtig, ob es mich berührt etc.
    Und: ich kenne auch Onlinetagebücher, die richtig gut sind.
    Aber gut ist auch Dein Blogg bisher gewesen, freue mich auf Weiteres.
    Alles Gute, Lucretia

  8. Kilroy Blog » Blog Archiv » Einbürgerungstest für die Blogosphäre Says:

    [...] Ist ein Blog ein Tagebuch? - Eine Antwort [...]

  9. Toni Says:

    Im Prinzip hast Du recht mit der Bezeichnung des Mir-geht-es-nicht-gut-deshalb-schreibe-ich-unverständliche-
    rätselhafte-Beiträge-um-der-Welt-mitzuteilen-
    wie-hoch-mein-IQ-ist-Mülls als Müll.
    ABER ein hoher IQ ist ja so schlimm auch nicht, Reflexion auch nicht. Da werm’, schwärn’, schwärm’ eim die Probleme u.U. und öfters noch bißchen bewußter. Quasi so eine Art Gedankenschutt. Solcher Schutt ist durchaus nicht wertlos, im Gegenteil. Und gut zu lesen ja vereinzelt außerdem. Weischt, waschi mein?

    Toni

  10. Toni Says:

    Mir-geht-es-nicht-gut-deshalb-schreibe-ich-unverständliche-
    rätselhafte-Beiträge-um-der-Welt-mitzuteilen-
    wie-hoch-mein-IQ-ist-Müll ist übrigens eine geniale, weil genial treffende Bezeichnung.

  11. Cyrus Mogannam Says:

    Huebschen Web Log habt ihr da. Endlich mal das etwas anderes Template…

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