Text

Wednesday, 3 Feb 2010

Unser Schiff

Hier stehen wir und es steht uns bevor
Wir winken und wir hoffen auf ein Riff
Sperret zu die TĂĽr, sperret auf das Tor
Wagnis treibt uns an und unser Schiff
Zeiten voller Quallen, Geister, die ich rief
Sehnsucht rieb an mir, während ich schlief
Gegenwart und Zukunft gleiten aus dem Griff
Sehnsucht zehrt an uns und unsrem Schiff
Es ist mehr dahinter, uns steht Meer bevor
Sehnsucht treibt uns an und unser Schiff
Es ist Meer dahinter, uns steht mehr bevor
Sehnsucht treibt uns an und unser Schiff
Es ist Meer dahinter, uns steht Meer bevor
Sehnsucht – unser Schiff

Gegenwart and Sonstiges

Thursday, 21 Jan 2010

Jugend und Alter

Vielleicht ist Unwissen leichter zu akzeptieren, wenn man unerfahren ist und sich dessen bewusst. Vielleicht widerspricht der bloße Zweifel an vermeintlichen Tatsachen immer mehr der Erfahrung, etwas herausgefunden zu haben, wenn man älter wird.
Vielleicht hat die Jugend des einundzwanzigsten Jahrhunderts es da leichter. Wir, die wir mit Wandel aufgewachsen sind, denen uns eine Welt, in der Berufe und Wohnorte von Generation zu Generation weitergegeben werden, völlig abstrus erscheint. Aber spätestens beim Gedanken “Das ist doch so!” sollten wir zu zweifeln beginnen. Spätestens, wenn man sein Realitätsmodell nicht mehr anders als aus ihm selbst heraus rechtfertigen kann, spätestens, wenn man keine besseren BegrĂĽndungen findet als das zu BegrĂĽndende selbst.

Illusion and Text

Thursday, 26 Nov 2009

Wunder

Die Euphorie erhob sich stolz ĂĽber die Sehnsucht. “Bewundern ist ein zauberhaftes Wort.”, erklärte sie. “Be-wundern. Verwundernde Wundereigenschaften verleihen. Magie betreiben durch ein Beschreiben, ein Benennen, ein Erfinden und Erschaffen: Weil die Metaebene ein Teil der Realität ist und die Herrschaft ĂĽber diese uns obliegt, ob nun auch oder ausschlieĂźlich. Weil wir Wunder schaffen können, indem wir Wunder sehen. Die Welt kann wunderbar, wunderschön, wundervoll und bezaubernd sein und wir in ihr. Verzaubern wir den Alltag.”
Vom Rand des Bewusstsein erklang irres Gelächter. Das Grauen kugelte sich auf dem Boden der Tatsachen, während die Aufmerksamkeit dahinschwand, bis schließlich nichts mehr von ihr übrig blieb.

Alltagswahn and Fun

Wednesday, 4 Nov 2009

Trennung

Vorgestern haben wir noch unser Einwöchiges gefeiert und es wurde mit Kräutertee darauf angestoßen. Doch heute steht mein Entschluss fest: Ich möchte mich von ihm trennen. Aus Selbstschutzgründen. Er ist nicht gut für mich und tut mir auf lange Zeit hinweg gesehen nur weh. Außerdem lässt er mir nie genug Raum für mich allein. Überall, wo ich hingehe, ist er auch. Und ich habe eigentlich auch gar keine Zeit für ihn. Nein, es ist aus. Bei nächster Gelegenheit mache ich Schluss mit ihm.

Und ich will ganz bestimmt keinen Kontakt mehr zu dir haben, lieber Virus!

Gegenwart and Leben and Menschen

Wednesday, 16 Sep 2009

2, 1, Risiko

Etwas allein deshalb nicht zu versuchen, weil es schief gehen kann, ist vollkommen aequivalent dazu, etwas nicht zu versuchen, weil es gut gehen kann.
Wenn “gut gehen” keine inhaltsleere Aussage sein soll, bedeutet dies, dass eine Moeglichkeit zu scheitern existiert, die mit endlicher (und sogar positiver) Wahrscheinlichkeit eintreten kann. Mit anderen Worten: Konsequenterweise darf man dann ueberhaupt nichts versuchen.

Mit anderen Worten: Es ist Quatsch.

Sonstiges

Sunday, 13 Sep 2009

XXVII

Weary with toil, I haste me to my bed,
The dear repose for limbs with travel tired;
But then begins a journey in my head
To work my mind, when body’s work’s expired:
For then my thoughts–from far where I abide–
Intend a zealous pilgrimage to thee,
And keep my drooping eyelids open wide,
Looking on darkness which the blind do see:
Save that my soul’s imaginary sight
Presents thy shadow to my sightless view,
Which, like a jewel hung in ghastly night,
Makes black night beauteous, and her old face new.
Lo! thus, by day my limbs, by night my mind,
For thee, and for myself, no quiet find.

Alltagswahn and Gegenwart and Vergangenheit

Thursday, 10 Sep 2009

Schuld

Gestern, in einem Bus in Tel Aviv, fragte mich der Busfahrer, woher ich denn komme (Deutschland) und in welcher Stadt ich wohne (Muenchen). Daraufhin folgte eine minutenlange Stille, und er murmelte, Muenchen (Muenchen 1972) koennte man niemals vergessen. Ich beschloss im Stillen, ab jetzt immer “Duesseldorf” zu antworten.

Die Schuldfrage, die Werke wie Schlinks “Vorleser” aufwerfen, ist erweiterbar. Inwiefern haben sich die Handelnden im 2. Weltkrieg schuldig gemacht, die nicht wussten, was sie taten? Die aus individuellen Motiven heraus handelten? Inwiefern ist jemand, der in Deutschland lebt und erfaehrt, dass der eigene Grossvater in der SS war, schuldig? Darf man dann nicht mehr mit ihm Kaffee trinken? Inwiefern macht man sich schuldig, wenn man sich freiwillig fuer Deutschland als Wohnort entscheidet? Wie weit darf man sich mit dem Land, in dem man lebt, identifizieren, ohne alles verkoerpern zu muessen?

Ich bin mir nicht sicher, ob das Konzept von Schuld und Unschuld sich ohne Weiteres auf saemtliche vorstellbaren Systeme und Verhaltensweisen darin uebertragen laesst. Viele, die unter Hitler erfolgreich waren, waeren es wohl auch in einer heutigen Versicherung. Aber wie kann man dann die Existenz eines Gerichts rechtfertigen? Wie kann es ueberhaupt ein richtiges Urteil geben?

Sonstiges

Sunday, 23 Aug 2009

xkcd-Fanart

Take wrong turns. Talk to strangers. Open unmarked doors. And if you see a group of people in a field, go find out what they're doing. Do things without always knowing how they'll turn out.

August 2009, Acryl auf Leinwand.

Mathematik and Studium

Monday, 17 Aug 2009

Ästhetik in der Mathematik

Dies sind die Slides zu meinem Vortrag bei der Ferienakademie “Kreativität in der Krise” der Evangelischen Akademie Tutzing im April 2009.

Die Ferienakademie wird etwa jährlich von den Gleichstellungsreferaten der MĂĽnchner Unis (LMU, TU und Universität der Bundeswehr) und der Universität NĂĽrnberg-Erlangen veranstaltet und richtet sich an “Studentinnen und junge Wissenschaftlerinnen“. Obwohl es immer etwas seltsam anmutet, explizit etwas fĂĽr Frauen zu organisieren, war diese Akademie (auch, und vor allem, dank der Teilnehmerinnen) alles andere als langweilig. Die Vorträge in dem Themenblock, den ich gewählt hatte – “Kreativität beim Problemlösen” – haben SpaĂź gemacht (auch wenn, und vielleicht gerade weil, die Themen nicht viel mit der Wirtschaftskrise zu tun hatten) und es kamen ziemlich unterhaltsame Unterhaltungen zustande (”Habe ich das richtig verstanden, du promovierst gerade in Mathe an der LMU?” - “Nicht so ganz…”).

Physik and Studium

Tuesday, 28 Jul 2009

Hinweise…

…zur Bearbeitung der Ăśbungsaufgaben

(1) Der Tisch ist fast leer. Niemand stört. Das Radio ist aus. Etwas zu begreifen, braucht seine Zeit.

(2) Griffbereit liegen: unliniertes Papier (DIN A4, gelocht für Hefter), Bleistift, Minenspitzer, Radierer, durchsichtiges Lineal oder Geo-Dreieck; nur Minimum an  Hilfsmitteln (Vorlesungsausarbeitung, mathematisches Taschenbuch).

(3) Problemstellung-Detail-Studium: jedes Wort bewerten. Was passiert qualitativ? Kann das Problem (nur) eine Lösung haben? Wie könnte die Lösung aussehen? Hierbei füllt sich ein Schmierzettel mit Skizzen, Worten und Formeln.

(4) Nur einmal gründlich (statt viermal flüchtig) das Problem angehen; die “trivialen” Zwischenschritte mit zu Papier bringen: “Fußgängermethode”; alles, was durch den Bleistift geht, sollte galgensicher sein; saubere, große Skizzen.

(5) So klein wie möglich schreiben (um auf einem Blatt schon maximale Übersicht zu erhalten).

(6) Text in Stichworten, Zwischen-Überschriften, Zwischen-Zusammenfassungen bei längeren Rechnungen, Numerierung der Seiten, Numerierung wichtiger Gleichungen.

(7) Verbinden von Gleichheitszeichen, Unterklammern, AbkĂĽrzungen aller Art, Einkreisen bei KĂĽrzen oder Ăśbernehmen in neue Zeile.

(8) Ergebnis: ist es physikalisch vernünftig? Enthält es die denkbaren Spezialfälle richtig? Dimensionsprobe u. a.

(9) Suche nach eleganterem, kürzerem, klarerem Weg. Neue Darstellung. Formulierung so, dass Schritte gerade noch im Kopf nachvollziehbar. Dabei läßt sich meist der Stoff von z. B. vier Seiten auf nur einer Seite unterbringen.

(10) Bei zu schwerem Problem: wirklich bis dorthin gehen, wo es nicht mehr weitergeht; Schwierigkeiten benennen; vielleicht ist wenigstens ein vereinfachtes Problem oder ein Spezialfall lösbar? Sind Näherungen möglich?

(11) Wenn man etwas verstanden hat und es sich gut aufgeschrieben hat, dann ist man stolz und hebt es auf (im “Leitz-Ordner des Lebens”).

Diese herrlichen “Hinweise zur Bearbeitung der Ăśbungsaufgaben” habe ich heute unerwartet hier wiederentdeckt – ob sie von Prof. Schenzle selbst stammen, weiĂź ich allerdings nicht. Wenn sie jemandem bekannt vorkommen, könnte es daran liegen, dass er oder sie im letzten Wintersemester die Rechenmethoden-Vorlesung bei Prof. Curio gehört hat, der sie uns in der letzten Vorlesung – na, was wohl? – *vorgelesen* hat.