…zur Bearbeitung der Ăśbungsaufgaben
(1) Der Tisch ist fast leer. Niemand stört. Das Radio ist aus. Etwas zu begreifen, braucht seine Zeit.
(2) Griffbereit liegen: unliniertes Papier (DIN A4, gelocht für Hefter), Bleistift, Minenspitzer, Radierer, durchsichtiges Lineal oder Geo-Dreieck; nur Minimum an Hilfsmitteln (Vorlesungsausarbeitung, mathematisches Taschenbuch).
(3) Problemstellung-Detail-Studium: jedes Wort bewerten. Was passiert qualitativ? Kann das Problem (nur) eine Lösung haben? Wie könnte die Lösung aussehen? Hierbei füllt sich ein Schmierzettel mit Skizzen, Worten und Formeln.
(4) Nur einmal gründlich (statt viermal flüchtig) das Problem angehen; die “trivialen” Zwischenschritte mit zu Papier bringen: “Fußgängermethode”; alles, was durch den Bleistift geht, sollte galgensicher sein; saubere, große Skizzen.
(5) So klein wie möglich schreiben (um auf einem Blatt schon maximale Übersicht zu erhalten).
(6) Text in Stichworten, Zwischen-Überschriften, Zwischen-Zusammenfassungen bei längeren Rechnungen, Numerierung der Seiten, Numerierung wichtiger Gleichungen.
(7) Verbinden von Gleichheitszeichen, Unterklammern, AbkĂĽrzungen aller Art, Einkreisen bei KĂĽrzen oder Ăśbernehmen in neue Zeile.
(8) Ergebnis: ist es physikalisch vernünftig? Enthält es die denkbaren Spezialfälle richtig? Dimensionsprobe u. a.
(9) Suche nach eleganterem, kürzerem, klarerem Weg. Neue Darstellung. Formulierung so, dass Schritte gerade noch im Kopf nachvollziehbar. Dabei läßt sich meist der Stoff von z. B. vier Seiten auf nur einer Seite unterbringen.
(10) Bei zu schwerem Problem: wirklich bis dorthin gehen, wo es nicht mehr weitergeht; Schwierigkeiten benennen; vielleicht ist wenigstens ein vereinfachtes Problem oder ein Spezialfall lösbar? Sind Näherungen möglich?
(11) Wenn man etwas verstanden hat und es sich gut aufgeschrieben hat, dann ist man stolz und hebt es auf (im “Leitz-Ordner des Lebens”).
Diese herrlichen “Hinweise zur Bearbeitung der Ăśbungsaufgaben” habe ich heute unerwartet hier wiederentdeckt – ob sie von Prof. Schenzle selbst stammen, weiĂź ich allerdings nicht. Wenn sie jemandem bekannt vorkommen, könnte es daran liegen, dass er oder sie im letzten Wintersemester die Rechenmethoden-Vorlesung bei Prof. Curio gehört hat, der sie uns in der letzten Vorlesung – na, was wohl? – *vorgelesen* hat.